Gute Absicht, schlechte Wirkung
Die Verbraucherzentrale empfiehlt Leitungswasser als gesundes und unschlagbar günstiges Getränk. Die vielfach beworbenen Wasserfilter und Aufbereiter sind nicht nötig. Aber je aufwändiger die Wasseraufbereitung in den Wasserwerken wird, um so teurer wird es für alle. Eine Umfrage des Instituts für sozialökologische Forschung zeigt: Jeder Zweite entsorgt flüssige Arzneimittel zumindest gelegentlich über die Toilette – oft in der Absicht, das leere Medikamentenfläschchen zum Altglascontainer zu bringen. Kläranlagen können nicht alle Medikamente abbauen. Spezielle Reinigungsysteme zu bauen ist zwar möglich, würde aber die Abwassergebühren erhöhen. Medikamentenspuren belasten die Umwelt und können über das Trinkwasser auch wieder beim Menschen landen. Ob Hustensaft oder Antibiotikum in Tabletten: Am sichersten ist es, Altmedikamente in Apotheken oder den Sammelstellen für Schadstoffe abzugeben. Doch Apotheken sind nicht verpflichtet, Arzneien zurückzunehmen. Sie machen das nur noch freiwillig. Wer keine Sammelstelle und auch keine Apotheke in seiner Nähe hat, die Altmedikamente annimmt, kann die Arzneien in den Restmüll werfen. In der Müllverbrennungsanlage werden die Tabletten, Dragees und Tropfen verbrannt. Sinnvoll ist dabei, die Packungen nicht obenauf liegen zu lassen, sondern mit dem sonstigen Abfall zu vermischen. Andernfalls droht, dass neugierige Kinder die bunten Pillen und die Flüssigkeiten in den interessanten kleinen Fläschchen probieren.
Durch die hohen Temperaturen bei der Müllerbrennung werden die Wirkstoffe in den Heilpräparaten soweit zerstört, dass sie die Umwelt nicht mehr gefährden können. In NRW wird der Restmüll in der Regel verbrannt; in anderen Bundesländern jedoch wird er gelegentlich vor der Verbrennung sortiert. Hierbei können die Arzneien möglicherweise auch über Kompostierungsanlagen ins Erdreich gelangen und über den Wasserkreislauf zurück zu den Menschen.
Zurück zu Bewährtem
Die Verbraucherzentrale NRW fordert deshalb, das bis 2009 allseits bewährte System der kostenlosen Rückgabe von alten Medikamenten in den Apotheken wieder bundesweit einzuführen. Dadurch war gewährleistet, dass die Arzneien von Entsorgungsfirmen abgeholt und zu einer Müllverbrennungsanlage gebracht wurden. Momentan nehmen Apotheken nur noch vereinzelt Medikamente freiwillig zurück. Dieses umweltfreundliche Verfahren hat einen weiteren Vorteil: Anders als bei der Entsorgung über die Restmülltonne wird dem Eindruck entgegenwirkt, medizinische Präparate im Abfall seien ebenso harmlos wie beispielsweise Tierstreu oder gebrauchte Windeln. Die Gefährdung von Mensch und Tier durch Arzneien in Gewässern kann sich verschärfen und zu zusätzlichen Kosten für Verbraucher führen. Da die Bevölkerung zunehmend altert und dadurch der Verbrauch an Arzneimitteln weiter ansteigen wird, werden sich immer mehr Spuren medizinischer Substanzen in Bächen, Seen und Flüssen finden - sofern die ökologisch optimale Verbrennung unterbleibt.
Weitere Informationen:
- zur Entsorgung wasserschädlicher Substanzen
- zu Fragen rund um Müll bei der Umweltberatung der Verbraucherzentrale

