Verbraucher kommen in der Forschung zu kurz
Wie viele Jugendliche unter 18 Jahren schreiben rote Zahlen? Weshalb kommt bei Verbrauchern ein Anbieterwechsel steigender Gas- und Strompreise so schwer in Gang? Wie nehmen ausländische Mitbürger in Deutschland ihre Rechte als Verbraucher wahr? – Auf solche und ähnliche Fragen, die den Informations- und Beratungsbedarf von Konsumenten systematisch erfassen, gibt es bislang keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse. "Verbraucherforschung wird", laut Müller, "immer noch zu disparat und zu sehr aus der Perspektive unternehmerischer Interessen betrieben". Fragestellungen, die die Interessen und Handlungsweisen von Konsumenten im Zeitalter der Globalisierung und liberalisierter Märkte aufgreifen, kommen in der wissenschaftlichen Betrachtung bislang zu kurz. "Richtig verstandener Verbraucherschutz muss jedoch im Interesse aller Marktteilnehmer – inklusive der Verbraucher – umgesetzt werden. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse können wertvolle Impulse für politische Entscheidungen und die Verbraucherberatung liefern", erklärt der Verbraucherzentralenvorstand.
Bisherige Ansätze reichen nicht aus
In Nordrhein-Westfalen gibt es bislang durchaus einige positive Ansätze. Nach Ansicht Müllers reichen sie jedoch nicht aus: "Zwar sind in Nordrhein-Westfalen Lehrstühle für Ernährung und Verbraucherbildung an den Fachhochschulen Paderborn, Münster und Mönchengladbach, für Haushalts- und Konsumökonomie innerhalb der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn sowie eine Professur mit Schwerpunkt Verbraucherschutzrecht an der Uni Wuppertal mit unterschiedlichsten Fragen von Verbraucherforschung befasst. Allerdings gibt es bundesweit kein Institut oder einen ökonomischen Lehrstuhl, das oder der sich systematisch mit Fragen und Auswirkungen der sich rasant verändernden Marktbedingungen für Verbraucher – etwa auf dem Gesundheitsmarkt oder im Internet – beschäftigt."
"Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung setzt bisher mit vielfältiger Forschungs- und Technologieförderung wichtige Akzente. Den entscheidenden Schritt, die verschiedenen Aktivitäten in einem unabhängigen Netzwerk Verbraucherforschung zu bündeln, ist sie aber bisher nicht gegangen", kritisiert Müller. So haben sich zwar sowohl die CDU-Fraktion in einem Fraktionsbeschluss als auch die SPD-Fraktion in einem Landtagsantrag für mehr Verbraucherforschung ausgesprochen. In der nordrhein-westfälischen Hochschullandschaft hat dies aber noch keinen Niederschlag gefunden.
Neuausrichtung der Verbraucherforschung
Mit dem "Grünbuch Ausbau der Verbraucherforschung für faire Märkte in Deutschland und NRW" will der Vorstand der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen die Diskussion über eine Neuausrichtung der Verbraucherforschung weiter beleben. Neben dem Aufbau eines Kompetenzzentrums Verbraucherforschung, wird darin die Errichtung eines volkswirtschaftlich ausgerichteten Lehrstuhls für Verbraucherforschung sowie eine systematische Verankerung von Konsum- und Verbraucheraspekten in den Studienplänen der Hochschulen angeregt.
Das "Grünbuch Ausbau der Verbraucherforschung für faire Märkte in Deutschland und NRW" können Sie sich hier kostenlos herunterladen.
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