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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

01.07.2010
Die Verbraucherzentrale NRW sondiert den Markt für alte Zeitungen: Teure Geschäfte mit Jubiläen

Vielen sind sie lieb - und Händler verkaufen sie teuer: Alte Zeitungen als Geschenk zum Jubiläumstag oder um dem Zeitgeist früherer Jahre nachzuspüren. Doch wer zum erstbesten Angebot greift, zahlt fix drauf. Das zeigt ein Check der Verbraucherzentrale NRW.

"Echte alte Zeitungen vom Tage der Geburt, der Hochzeit oder zum Jubiläum": Mit diesem oder vergleichbaren Werbeslogans buhlen Dutzende Onlineshops um Kundschaft. Die Verbraucherzentrale NRW nahm zehn von ihnen ins Visier - und entdeckte enorme Unterschiede bei Preis und Auswahl.

Zum Kauf steht eine breite Palette an Originalzeitungen, in der Regel ab 1900. Erinnerungsstücke finden sich vor allem für Großstädte, aber auch die Velberter Zeitung wie der Westfälische Kurier "mit dem Lokalteil für Hamm und Umgebung" sind gelegentlich vorrätig.

Auf Angehörige einzelner Berufsgruppen warten die Hamburger Hafen-Nachrichten oder die "bergmännische Zeitschrift" Glückauf aus dem Jahr 1949. Im Web-Kiosk gibt es Ausgaben der Weltbühne, von Wild und Hund, der Quick wie der Bild am Sonntag. Auch die internationale Presse, ist oftmals vertreten: unter anderem mit der englischen Times, der Berner Tagwacht oder dem L’Osservatore Romano, der Zeitung des Vatikan.

Erhebliche Unterschiede fanden sich in der Stichprobe bei der Auswahl. Beispiele: Während etwa der 16. April 1932 im Shop "Antiquarische-Zeitungen.de" mit sechs Zeitungen und Zeitschriften vertreten war, führte "Terraesole.de" zum gleichen Datum immerhin 49 verschiedene Angebote. Für den 10. Juli 1972 wiederum reichte die Palette von 22 ("Zeitungsarchiv-Deutschland.de") bis zu 104 unterschiedlichen Zeitungen und Zeitschriften ("Historia.net").

Jeder Shop arbeitet in der Regel mit einheitlichen Preisen: egal, ob für einen Jubilar der Bayerische Staatsanzeiger von 1949 oder die DDR-Boulevardzeitung BZ am Abend von 1972 geordert wird. Der Preis ist jeweils der Gleiche. Selbst wer bei "Geschenkzeitung.de" nur die Titelseite oder eine Reproduktion des Objekts seiner Begierde findet, muss den gleichen Preis wie für eine komplette Original-Illustrierte berappen.

Enorme Preisunterschiede hingegen fand die Verbraucherzentrale NRW von Shop zu Shop. Ein Beispiel: Die Düsseldorfer Nachrichten vom 16. April 1932 gab es bei "Antiquarische-Zeitungen.de" für 28 Euro, "Valentins.de" wollte für das historische Dokument stolze 63,99 Euro kassieren.

Der Unterschied: Bei Valentins wird die Zeitung stets in eine "bordeauxrote Geschenkmappe mit Echtheitszertifikat" gesteckt, im Onlineantiquariat haben Kunden die Wahl: die Zeitung allein oder sie bestellen eine Geschenkmappe zusätzlich, zum Preis von 12,50 Euro.

Kunden im Onlineshop "Historische-Zeitungen.de" können für die Umhüllung in Karton zwei Euro oder aber in Kalbsleder gar 59 Euro zusätzlich berappen. Sieben der zehn Shops liefern ohne Alternative: die Zeitung pur ("Temporio.com") oder allein in einer mehr oder weniger aufwendig gestalteten Geschenkmappe.

"Echte Originalzeitungen" fanden sich ohne Hülle für 28 bis 44,50 Euro, mit Geschenkmappe wurden Besteller zwischen 39,95 und 103,50 Euro abkassiert. Wie üppig für Mappe und Blatt kalkuliert wird, offenbart ein Händler im Check, der gleich zwei Onlineshops betreibt. Im ersten ("Historia.net") kosten historische Zeitungen stets mit Geschenkverpackung 54,50 Euro, im zweiten ("Temporio.com") ohne Mappe sind 30 Euro fällig.

So oder so: Wer bei Lieferung eine makellose Zeitung erwartet, der irrt. Die Hälfte der Anbieter weist auf ihren Internetseiten, auf mögliche "Gebrauchsspuren", auf "einen natürlichen Gelbstich" vereinzelter Lieferungen hin. "Werten Sie das bitte als besonderes Zeichen der Echtheit," heißt es dazu bei Geschenkzeitung.de.

Echtes gibt es auch in den Shops einiger Tageszeitungen und Zeitschriften direkt. Wer es beispielsweise auf eine historische Ausgabe des Wochenmagazins Der Spiegel abgesehen hat, zahlt für einzelne Ausgaben von 1947 und 1959 lediglich 16 Euro. Mit jedem jüngeren Jahrzehnt wird es jeweils um zwei Euro billiger. Einzelhefte "von 2000 bis heute" kosten sechs Euro plus Porto von 2,55 Euro.

Die Rheinische Post wiederum bewirbt ihre "Schlagzeilen von Damals". Jubilare müssen sich allerdings mit "Reproduktionen alter Titelseiten" zufrieden geben. Für die laut Verlag "historische Überraschung" braucht’s inklusive Versand 12,95 Euro.

Von "historischen Überraschungen" profitieren, das kann eigentlich jeder geduldige Zeitungskäufer. Die nächste Gelegenheit dazu kommt sicherlich, wenn Deutschlands Fußballer in Südafrika Weltmeister werden (würden). Das Wunder von Bern jedenfalls, verkündet für 10 Pfennig am 5. Juli 1954 von der Bild-Zeitung, brachte dieser Tage in einer Privatauktion bei Ebay schöne 99 Euro.





Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link755021A.html