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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

29.10.2010
Einmaleins des Verbraucheralltags
Gefangene der JVA Siegburg auf der Schulbank


Wolfgang Klein, Leiter der Justizvoll­zugsanstalt Siegburg (links), Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (Mitte) und Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller (rechts), 520.1 KB  Download: Foto Wolfgang Klein, Leiter der Justizvoll­zugsanstalt Siegburg (links), Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (Mitte) und Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller (rechts) (520.1 KB)
Gefangene der Justizvollzugsanstalt Siegburg fit für den Verbraucheralltag zu machen – so steht’s auf dem Programm der Verbraucherzentrale in Siegburg: In 22 Unterrichtseinheiten heißt es für zehn Teilnehmer, das kleine Einmaleins von Girokonto, Kredit & Co. oder Wissenswertes über gesunde Ernährung oder Energiesparen im Haushalt kennen zu lernen. Was im "Curriculum" steht und wie gelehrt und gelernt wird – darüber informierte sich Nordrhein-Westfalens Justiz­minister Thomas Kutschaty bei einem Ortstermin.

Zehn junge Gefangene nehmen seit September an einem Crash-Kurs in Sachen Verbraucherwissen teil: In einem Pilotprojekt bietet die Verbrau­cherzentrale NRW hier in Zusammenarbeit mit der Justizvollzugsanstalt Siegburg Basiswissen rund um Haushaltsführung, Finanzen, Telekommu­nikation und nachhaltigen Konsum.

"Viele unserer Gefangenen sind verschuldet, sodass Grundlagenwissen rund um das Management von Einnahmen und Ausgaben eine wichtige Starthilfe für die Zeit nach der Entlassung ist", erläutert Wolfgang Klein, Leiter der Justizvoll­zugsanstalt Siegburg, die Beweggründe, das Pilotprojekt in Kooperation mit der Verbraucherzentrale NRW anzuschieben. Dieses sei eine sinnvolle Ergänzung zu den vielfältigen anderen Förder- und Behandlungsmaßnahmen in der JVA Sieg­burg.

Während der 22 Unterrichtseinheiten (à 90 Minuten) rund ums Verbraucherwissen lernen die 18- bis 22-Jährigen, wie man das Haushaltsbudget eigenverantwortlich verwaltet und vorausschauend plant, damit das Geld bis zum Monatsende reicht. "Finanzkompetenz ist auch deshalb wichtig, weil die Teilnehmer oftmals keine abgeschlossene Berufsausbildung haben und somit auf dem Arbeitsmarkt vor­wiegend niedrig dotierte Beschäftigungen finden werden", unterstreicht JVA-Leiter Klein.

Doch zum "Führerschein" für den Verbraucheralltag gehört noch viel mehr: Die Gefangenen erfahren Wissenswertes zum Abschluss von Kaufverträgen oder Versicherungen, zu Miete, Nebenkosten und GEZ-Gebühren, aber auch zu Tele­kommunikationsangeboten oder Abofallen im Internet. Darüber hinaus stehen Energiesparen, gesunde Ernährung sowie umweltfreundliches Haushalten auf dem Stundenplan.

"Basiswissen vermitteln, um die wirtschaftliche und verbraucherrechtliche Kompetenz der Gefangenen zu stärken", so beschreibt Martin Wieler, Leiter der Verbraucherzentrale in Siegburg die Lernziele der Veranstaltungen. "Die Teilnehmer büffeln dabei aber keineswegs nur trockene Theorie, sondern üben ganz praktisch, wie man zum Beispiel ein Haushaltsbuch führt, wie man mit einem Strommessgerät energiefressenden Haushaltsgeräten auf die Spur kommt oder Gewährleistungsrechte einfordert", gibt er einen Überblick über Curriculum und Methoden. "Die Gefangenen sind engagiert bei der Sache", zieht Martin Wieler nach den ersten sieben Unterrichtseinheiten eine positive Zwischenbilanz, "interaktive und spielerische Elemente erleichtern das Erlernen der Grundregeln des Verbraucheralltags."

Bei einem Besuch der Justizvollzugsanstalt Siegburg nahm Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty am Freitag an einer Unterrichtseinheit teil: Regeln beim Abschluss eines Kaufvertrags standen da auf dem Stundenplan. Was bei Umtausch und Widerruf zu beachten ist, welche Regeln beim Kauf im Internet gelten und wo Vertragsfallen im Kleingedruckten lauern – die Gefangenen nahmen während der 90 Minuten Allgemeine Geschäftsbe­dingungen unter die Lupe und übten, wie man ein defektes Gerät richtig beim Händler reklamiert. Bei einem Quiz konnte das gerade Gelernte dann auf den Prüfstand gestellt werden. Als "Joker" half der Justizminister den Teilnehmern, wenn sie bei einer verbraucherrechtlichen Frage unsicher waren. "Diese Veranstaltungen sind ein Vorbild für lebensnahes Lernen", sagte Kutschaty bei seinem Besuch, "die Justizvollzugsanstalt hat mit ihrem neuen Angebot in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale NRW ein Projekt in die Wege geleitet, das viele Nachahmer finden sollte. Denn das Wissen um die Verbrau­cherrechte und der richtige Umgang mit Geld sind wichtige Bausteine, damit die jungen Menschen nach der Haftentlassung im Alltag wieder Fuß fassen können." Jeder Gefangene erhält übrigens eine Bescheinigung über die erfolgreiche Teil­nahme.

Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, freut sich über die gelungene Zusammenarbeit: "Als kompetente Ansprechpartnerin in allen Ver­braucherfragen gibt die Verbraucherzentrale NRW jetzt auch ihre Visitenkarte für Unterrichtsreihen in Justizvollzugsanstalten ab. Aus Erfahrungen mit Veranstal­tungen für unterschiedliche Zielgruppen haben wir hier ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt, das sich an alltagspraktischen Problemlagen der jungen Häftlinge orientiert. Wer fit für den Konsumentenalltag ist, fällt zum Beispiel auch nicht mehr so leicht auf Kreditfallen oder unseriöse Geschäftsmaschen herein", hob er insbeson­dere die präventiven Effekte der Veranstaltungen hervor: "Nicht zuletzt: Wer während der Haft Bereitschaft zu Weiterbildung gezeigt hat, hat sicher einen Pluspunkt beim Neustart ins Arbeitsleben."

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link803221A.html