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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

14.12.2010
Variable Stromtarife
Kein Anreiz fürs Stromsparen

Stromtarife, die Anreiz zur Energieeinsparung oder zur Steue­rung des Energieverbrauchs bieten, sind derzeit noch ein Papiertiger: Eine aktuelle Umfrage der Verbraucherzentrale NRW bei 46 Stromliefe­ranten hat erbracht, dass die 2011 vorgeschriebenen Tarife nur wenig Innovatives zu bieten haben und sich für Kunden meist finanziell nicht lohnen. Die Verbraucherzentrale NRW fordert den Gesetzgeber auf, verbrauchsfördernde Elemente in Stromtarifen sofort abzuschaffen.

Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) gibt vor, dass sämtliche Strom­versorger ab 30. Dezember 2010 mindestens einen Tarif anbieten müs­sen, der Anreiz zum Energiesparen oder zur Steuerung des Energie­verbrauchs schafft. Sprich: Wer seinen Stromverbrauch verringert oder in verbrauchsärmere Zeiten verlagert, soll bei den neuen Tarifen durch günstigere Strompreise belohnt werden. Ein wichtiges Instrument übri­gens nicht nur, damit Stromkunden Kosten sparen, sondern auch, um das wachsende Ungleichgewicht zwischen Stromangebot und -nach­frage auszugleichen. Dies tut sich auf, weil die klimaverträglichen Ener­gieträger Sonne, Wind und Wasser nicht gleichmäßig ins Stromnetz lie­fern. Je mehr Erneuerbare Energien eingespeist werden, desto größer der Ausgleichsbedarf durch Hinzu- bzw. Wegnahme konventioneller Kraftwerke. Die Verlagerung der Stromnachfrage in verbrauchsärmere Zeiten als Steuerungsinstrument gewinnt daher zunehmend an Bedeu­tung.

Eine Umfrage der Verbraucherzentrale NRW bei 46 Stromlieferanten in Nordrhein-Westfalen hat jetzt zutage gebracht, dass die meisten Anbie­ter die Vorgaben des Gesetzgebers erfüllen werden – mehr als die Hälfte der 30 antwortenden Unternehmen bietet bereits einen variablen Tarif an, der zu verbrauchsarmen Zeiten den Strom günstiger bereitstellt. Doch kann hierbei der Verbrauch nur begrenzt in preiswertere Zeiten verlegt werden und die Preisvorteile dabei sind sehr gering. So waren die Rahmenbedingungen einzelner Tarifangebote so gesetzt, dass sich für Verbraucher nur dann eine Kostenersparnis einstellt, wenn es ihnen gelingt, mindestens ein Viertel ihres Stromverbrauchs in die preisgünsti­geren Nachtzeiten zu verlegen. Von einer effizienten Systemlösung mit intelligenten Zählern und Haushaltsgeräten sind die Versorger zudem noch weit entfernt.

"Verbraucher warten darauf, dass beim Haushaltsstrom funktioniert, was beim Heizstrom seit Jahren geht: Die finanzielle Belohnung für die Ver­lagerung des Stromverbrauchs in verbrauchsschwache Zeiten", stellt NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller fest. Er appelliert an die Verantwortlichen, die notwendigen Rahmenbedingungen hierfür um­gehend herzustellen. Stromlieferanten und die zuständige Bundesnetz­agentur schieben sich die Verantwortung für die schleppende Umset­zung zurzeit gegenseitig zu.

Während lohnende Tarife zur Verbrauchsverschiebung auf sich warten lassen, sieht die Verbraucherzentrale NRW in Tarifen mit Anreizen zum Stromsparen eine praktikable Sofortlösung: "Verbrauchsfördernde Ele­mente in den bestehenden Tarifangeboten sollen daher vom Markt ver­schwinden. Hierzu gehört z. B. die Abschaffung der 'Grundgebühr' oder der Wegfall von Paketangeboten. Angebote ohne Grundgebühr sind zudem übersichtlicher und erleichtern den Preisvergleich", erteilt der NRW-Verbraucherzentralenvorstand verbrauchsfördernden Elementen in Tarifangeboten die rote Karte.

Die Umfrage zu variablen Stromtarifen hat die Freiburger Forschungs­gruppe Energie- und Kommunikationstechnologien EnCT im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW durchgeführt.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/link820311A.html